Kuba2021

Patria y Vida

Gente de Zona

Die Geschichte hinter dem Song

Der Titel stellt eine Parole auf den Kopf. Im März 1960, nach dem Sieg der Kubanischen Revolution, prägte Fidel Castro den Satz Patria o muerte, Vaterland oder Tod, der zu einem Leitspruch der Regierung wurde. Dieser Reggaeton-Song, am 16. Februar 2021 von Yotuel Romero, Descemer Bueno, Maykel Osorbo, El Funky und Gente de Zona veröffentlicht, antwortete mit Vaterland und Leben. Der Text kritisiert die Regierung, fordert Freiheit statt Doktrin und greift aktuelle Ereignisse auf: die Festnahme des Rappers Denis Solís, die Verhaftung von Mitgliedern der Bewegung San Isidro nach ihrem Hungerstreik, Lebensmittelknappheit und den Wertverfall des Peso. Das in Havanna und Miami gedrehte Video überschritt binnen drei Tagen eine Million Aufrufe auf YouTube. Die Reaktion des Staates war heftig. Die Parteizeitung Granma griff das Lied in drei Artikeln an und nannte die Urheber Ratten, die auf YouTube-Klicks aus seien. Die Regierung verbot, den Song abzuspielen. Gerade die Angriffe machten die Parole zum Symbol: Wenige Tage nach der Veröffentlichung wurden in Havanna zwei Aktivisten festgenommen, weil sie den Satz an ihre Hauswand geschrieben hatten, und im Mai wurde Maykel Osorbo, der im Video zu sehen ist, wegen Anstiftung zur Störung der öffentlichen Ordnung verhaftet. Als am 11. Juli 2021 in San Antonio de los Baños und Palma Soriano Proteste ausbrachen und sich über Kuba ausbreiteten, riefen Demonstrierende den Titel auf den Straßen. Noch im selben Jahr gewann das Lied bei den Latin Grammys den Preis als Song des Jahres. Kaum ein Lied ist so schnell zur Stimme eines Augenblicks geworden.

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