L'Estaca

Lluís Llach

Die Geschichte hinter dem Song

Den Großvater Siset hat es wirklich gegeben. Narcís Llansa, Barbier aus Besalú, wurde 1931 für die katalanische republikanische Linke in den Gemeinderat gewählt. Nach dem Bürgerkrieg zwangen ihn die Franco-Behörden, die Kirche zu putzen und sogar die Messe zu besuchen. Anfang der 1960er-Jahre verbrachte er die Sommer in Verges, spielte dort Karten und angelte am Fluss Ter mit einem jugendlichen Freund seines Enkels: Lluís Llach. Laut der katalanischen Wikipedia öffneten diese Gespräche dem Jungen die Augen für das Wesen der Diktatur, und 1968 machte Llach daraus ein Lied. L'Estaca, der Pfahl, spielt in einem Hauseingang im Morgengrauen. Ein junger Mann fragt den alten Siset nach dem Pfahl, an den sie alle gebunden sind. Der Alte antwortet, allein könne ihn niemand umreißen, doch wenn alle in ihre Richtung ziehen, werde er fallen. Als Siset stirbt, gibt der Erzähler die Lehre an die nächste Generation weiter. Das Lied wuchs bald über Katalonien hinaus. Im Dezember 1978 hörte der polnische Liedermacher Jacek Kaczmarski es auf einer geliehenen spanischen Platte und schrieb einen neuen Text zur Melodie. Seine Fassung Mury wurde zur Hymne der Solidarność, und eine belarussische Bearbeitung davon erklang 2020 wieder bei den Protesten. Eine tunesische Version wurde zur Hymne der Revolution von 2011. Es gibt Dutzende Aufnahmen in anderen Sprachen, und vielerorts hält man das Lied für einheimisch. Vielleicht der schönste Beweis dafür, wie weit der Rat eines Barbiers reisen kann.

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