Sonderzug nach Pankow
Udo LindenbergDie Geschichte hinter dem Song
Im März 1979 sagte Udo Lindenberg in einem Interview des Westberliner Senders SFB, er würde gern ein Konzert für seine Fans in Ost-Berlin geben. Die DDR zeichnete das Gespräch auf und legte es SED-Chefideologe Kurt Hager vor, der darauf vermerkte, ein Auftritt komme nicht in Frage. Lindenberg ärgerte sich und antwortete Anfang 1983 mit einem Lied: einem deutschen Text auf die Melodie von Glenn Millers Swing-Klassiker „Chattanooga Choo Choo“.
Der Text richtet sich direkt und spöttisch an Staatsratschef Erich Honecker. Er erscheint als verknöcherter, scheinheiliger Funktionär, der in Wahrheit ein Rocker ist und heimlich West-Radio hört. Pankow im Titel stand im frühen Kalten Krieg im Volksmund für den Regierungssitz der DDR. Die Single erschien am 2. Februar 1983 in der Bundesrepublik, kam auf Platz fünf und hielt sich 21 Wochen in den Charts. Dazu schickte Lindenberg Honecker einen frechen Brief, in dem er um die Erlaubnis für eine Tournee bat.
Daraus wurde ein seltsames Stück deutsch-deutscher Diplomatie. Im Oktober 1983 trat Lindenberg im Palast der Republik auf, zum einzigen Mal in der DDR vor der Wende, sollte das Lied dort aber auf Wunsch der Führung nicht singen. Die für 1984 geplante Tournee wurde abgesagt. Verboten war der Song nie, doch mehrere Schallplattenunterhalter verloren ihre Lizenz, weil sie ihn spielten. 1987 schickte Lindenberg Honecker eine Lederjacke, und nach der Wende stellte sich heraus, dass im Radio von Honeckers Dienstwagen tatsächlich der SFB eingestellt war. Das Lied zeigt bis heute, wie ein Popscherz einen ganzen Staat reizen konnte.
