Schrei nach Liebe

Die Ärzte

Die Geschichte hinter dem Song

Als Die Ärzte diese Single im September 1993 veröffentlichten, war es ihre erste Platte nach fünf Jahren Pause und ihr erstes offen politisches Lied. Deutschland stand unter dem Eindruck gewaltsamer Übergriffe auf Ausländer, etwa in Rostock, Mölln und Solingen. Zuvor hatte die Band politische Aussagen bewusst vermieden, um sich vom Politpunk abzugrenzen. Nun wollte sie keinen Zweifel an ihrer Haltung lassen. Die Strophen stammen überwiegend von Bela B., der Refrain von Farin Urlaub. In den Strophen wird ein fiktiver Neonazi beschimpft, im Refrain scheint ihm Verständnis entgegenzuschlagen: Seine Gewalt sei eigentlich ein stummer Ruf nach Zuneigung, die Eltern hätten nie Zeit für ihn gehabt. Am Ende jedes Refrains kippt das Mitgefühl in ein einziges Schimpfwort, eine Idee von Bela B. Die Plattenfirma wollte lieber ein besser vermarktbares Lied als Comeback-Single, doch die Band setzte sich durch. Viele Radiosender spielten den Song wegen des Kraftausdrucks zunächst nicht, bis Lidia Antonini vom Hessischen Rundfunk ihre Kollegen schriftlich aufforderte, ihn trotzdem zu senden. Er kam auf Platz neun und verkaufte sich 450.000 Mal, der frühere Hit „Westerland“ nur 40.000 Mal. Im Sommer 2015, als es rassistische Ausschreitungen gegen Geflüchtete gab, startete der Musiklehrer Gerhard Torges die „Aktion Arschloch“, um das Lied erneut in die Charts zu bringen. Die Band unterstützte die Kampagne und spendete die Einnahmen an Pro Asyl. Am 11. September 2015, 22 Jahre nach der Veröffentlichung, stand der Song erstmals auf Platz eins in Deutschland. Er gilt bis heute als eines der bekanntesten Lieder gegen Rechtsextremismus.

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