Brasilien1997
Diário de um Detento
Racionais MC'sDie Geschichte hinter dem Song
Am 2. Oktober 1992 schlug die Militärpolizei einen Aufstand in Carandiru nieder, damals das größte Gefängnis Lateinamerikas, im Norden von São Paulo. 111 Häftlinge wurden getötet. Das Ereignis ging als Massaker von Carandiru in die Geschichte ein, die größte Tragödie des brasilianischen Strafvollzugs. Fünf Jahre später stellten Racionais MC's es ins Zentrum ihres Albums Sobrevivendo no Inferno.
Das Lied entstand aus einem Tagebuch. Josemir Prado, genannt Jocenir, hatte Notizen über den Alltag im Gefängnis und über das Massaker geführt und schrieb den Track gemeinsam mit Mano Brown. Das Ergebnis dauert siebeneinhalb Minuten, ohne eine einzige Strophe oder einen Refrain zu wiederholen: ein Bericht in der Ich-Form über die Tage vor dem Blutbad, der zur Anklage gegen Polizeigewalt und den brasilianischen Staat wird. Das Video unter der Regie von Mauricio Eça gewann 1998 zwei Preise bei den MTV Video Music Brasil, und die Folha de S.Paulo kürte es später zum zweitbesten brasilianischen Musikvideo aller Zeiten. Jocenir veröffentlichte später ein eigenes Buch unter demselben Titel.
Das Album gilt heute als eine der bedeutendsten Platten Brasiliens und steht sogar auf der Pflichtlektüreliste für Universitätsaufnahmeprüfungen. 2023 erreichte die Pflichtverteidigung im Bundesstaat Paraná, dass das Lied als literarisches Werk anerkannt wird. Häftlinge dort können sich die Beschäftigung damit auf eine Verkürzung ihrer Strafe anrechnen lassen. Ein Lied über die Männer, die drinnen starben, hilft heute anderen hinaus.