Brasilien1947
Asa Branca
Luiz GonzagaDie Geschichte hinter dem Song
Die Asa-Branca, der „weiße Flügel“, ist die Picazurotaube. Im trockenen Hinterland des brasilianischen Nordostens war ihr Fortziehen ein Zeichen, dass die Dürre gesiegt hatte. Luiz Gonzaga und Humberto Teixeira, beide aus dem Nordosten, bauten 1947 ein Lied um dieses Bild: die Erde brennt wie ein Johannisfeuer, der Vogel ist fort, und ein junger Mann muss den Sertão und seine Liebste Rosinha verlassen, mit dem Versprechen, eines Tages zurückzukehren.
Gonzaga war der Sohn eines Bauern und Akkordeonspielers und hatte auf den Straßen und in den Bars von Rio gespielt, bevor ihn das Radio zum Star machte. Laut der portugiesischen Darstellung schrieben die beiden das Lied am 3. März 1947 in den RCA-Studios in Rio, und die Plattenfirma war anfangs wenig begeistert. Erst Gonzagas Beharrlichkeit brachte die Aufnahme zustande. Es wurde sein größter Hit. Mit Akkordeon, Zabumba-Trommel und Triangel trug er den Baião aus der Folklore des Nordostens in den landesweiten Pop, und Caetano Veloso nannte ihn später das erste bedeutende Kulturereignis Brasiliens mit Massenwirkung. Gonzaga schrieb sogar eine Fortsetzung, „A Volta da Asa-Branca“, in der Regen, Vogel und Auswanderer zurückkehren.
Das Lied ist nie verschwunden. Die brasilianische Verwertungsgesellschaft ECAD zählt es zu den meistgespielten Liedern der Junifeste und führte es in einem Bericht von 2021 als das am vierthäufigsten aufgenommene Lied der Landesgeschichte, mit 316 Fassungen. Für die Millionen, die den Nordosten Richtung Süden verließen, ist es bis heute die Hymne der Menschen aus dem Sertão.