Brasilien1971
Construção
Chico BuarqueDie Geschichte hinter dem Song
Im März 1970 kehrte Chico Buarque aus Italien zurück, wo er über ein Jahr lang freiwillig Abstand von der Repression der brasilianischen Militärdiktatur gehalten hatte. Das Lied, das er im Jahr darauf veröffentlichte, erzählt eine ganz gewöhnliche Geschichte: den letzten Tag eines Bauarbeiters, vom Abschiedskuss für seine Frau am Morgen bis zum tödlichen Sturz vom Gerüst. Sein Tod ist danach kaum mehr als eine Störung für den Verkehr und das Wochenende.
Berühmt wurde es durch seine Machart. Jede Zeile hat zwölf Silben und endet auf einem Wort, das auf der drittletzten Silbe betont wird. Wenn sich die Geschichte wiederholt, vertauscht Buarque diese Schlusswörter, nach eigener Aussage wie Steine auf einem Spielbrett, sodass jeder Durchgang denselben Tag aus einem neuen Blickwinkel zeigt. Rogério Duprats Arrangement kreist zunächst über nur zwei Akkorden, als würde Decke auf Decke gesetzt, im Chor singt MPB-4. In einem Interview von 1973 betonte Buarque, er habe kein Protestlied schreiben wollen. Die Emotion liege im Wortspiel, und wenn man einen Menschen wie einen Ziegelstein in dieses Spiel setze, berühre das die Leute. Tom Jobim soll den Text aus einer Zeitung ausgeschnitten und in ein Heft geklebt haben.
2001 wählte eine Umfrage der Folha de S.Paulo das Stück zum zweitbesten brasilianischen Lied aller Zeiten, Rolling Stone Brasil setzte es 2009 auf Platz eins. Entstanden in einer der härtesten Phasen der Diktatur, zeigt es bis heute am deutlichsten, wie brasilianische Songwriter die Form selbst sagen ließen, was offen nicht gesagt werden durfte.