Argentinien1959
Adiós Nonino
Astor PiazzollaDie Geschichte hinter dem Song
1959 war Astor Piazzolla mit dem Tanzpaar Juan Carlos Copes und María Nieves auf Tournee durch das spanischsprachige Amerika, als ihn bei einem Auftritt in Puerto Rico die Nachricht erreichte, dass sein Vater Vicente nach einem Fahrradunfall in Mar del Plata gestorben war. In der Familie hieß Vicente nur Nonino, eine argentinische Abwandlung des italienischen Worts für Großvater. Die Tournee war ein Misserfolg, das Geld knapp, Piazzolla hatte Heimweh, und die Todesnachricht stürzte ihn in eine Depression.
Wenige Tage später, im Oktober 1959 in New York, bat er seine Familie, ihn für ein paar Stunden allein zu lassen. Wie sie sich später erinnerte, herrschte zuerst völlige Stille, dann hörten sie ihn auf dem Bandoneon eine unendlich traurige Melodie spielen. In etwa dreißig Minuten schrieb er Adiós Nonino. Ganz neu war das Stück nicht: Er übernahm den rhythmischen Teil von Nonino, einem Tango, den er fünf Jahre zuvor in Paris für seinen Vater komponiert hatte, und baute den Rest darum herum neu auf. So wuchs der Abschied aus einem Stück, das zu Lebzeiten des Vaters entstanden war.
Es wurde zu einer der bekanntesten Kompositionen Piazzollas und unzählige Male in den verschiedensten Besetzungen eingespielt. 2002 erklang es bei der Hochzeit von Willem-Alexander der Niederlande mit der gebürtigen Argentinierin Máxima Zorreguieta, und Eiskunstläufer wie Yuna Kim oder Tessa Virtue und Scott Moir bauten ihre Kür in olympischen Saisons darauf auf. Die private Trauer eines Sohnes, in einer halben Stunde in Musik gefasst, wurde so zu dem Stück, mit dem viele Menschen weltweit den Nuevo Tango zuerst kennenlernen.
