Slowenien1987
Life Is Life
LaibachDie Geschichte hinter dem Song
Laibach gründeten sich am 1. Juni 1980 in der Bergbaustadt Trbovlje und wählten einen Namen, der provozieren sollte: den deutschen Namen Ljubljanas, gebräuchlich unter österreichischer Herrschaft und während der NS-Besatzung. Von Anfang an bedienten sie sich der Bildsprache von Totalitarismus, Nationalismus und Militarismus, mit Uniformen und schwarzen Kreuzen, und die jugoslawischen Behörden fanden das nicht witzig, falls es denn ein Witz war. Auftritte wurden abgesagt, eine Ausstellung geschlossen, und 1983 holte die Polizei die Band in Zagreb von der Bühne. Zu Hause zensiert, sammelten sie eine Kultgemeinde und gingen ins Ausland.
Mitte der 1980er Jahre entdeckten sie ihre schärfste Waffe: die Popsongs anderer. Die österreichische Poprockband Opus hatte mit „Live Is Life“ einen schwungvollen Mitsing-Song. Laibach nahmen ihn für ihr Album Opus Dei, 1987 bei Mute Records erschienen, gleich zweimal auf: auf Deutsch als „Leben heißt Leben“ und auf Englisch als Titelstück, beide umgebaut zu düsteren, martialischen Hymnen, gesungen von Milan Fras mit seinem tiefen Bass. Der Trick war einfach und verstörend. Dieselben Worte, die im Original nach harmlosem Spaß klangen, hörten sich nun an wie eine Massenkundgebung.
Zusammen mit ihrer deutschsprachigen Version von Queens „One Vision“ brachte das Laibach Sendezeit auf MTV und in der britischen Chart Show. Das Album landete später im Buch 1001 Albums You Must Hear Before You Die. Nach der Unabhängigkeit Sloweniens 1991 wurde die Band von abgelehnten Dissidenten zur nationalen Kulturikone, und diese Coverversion ist bis heute der schnellste Weg zu verstehen, worum es ihnen ging.