Iran1979

Rabbana

Mohammad Reza Shajarian

Die Geschichte hinter dem Song

Im Sommer 1979, wenige Monate nach der Revolution, überlegte der iranische Staatsrundfunk, die Musikproduktion ganz einzustellen. Sein Leiter bat Mohammad-Reza Schadscharian, damals Mitarbeiter des Senders, ein neues Stück für die Zeit vor dem Iftar zu schaffen, dem Abendessen, mit dem das Fasten im Ramadan gebrochen wird. Schadscharian lehnte zunächst ab, er habe sich seit Jahren nicht mehr mit solchen Inhalten beschäftigt, doch der Direktor bestand darauf, nur er könne das. Er sagte zu. Nach seiner Darstellung war es als Übungsstück gedacht. Die Hörer kannten eine ältere Fassung des Bittgebets, also komponierte er eine neue, fügte zwei weitere Koranverse hinzu und nahm sie im Juli 1979 in einem Studio von Radio Iran auf, für Schüler, die im Fernsehen rezitieren sollten. Dass es populär werden könnte, ahnte er nicht. Gesungen im Modus Segāh, fast ohne die üblichen trillerartigen Verzierungen, beginnen alle vier Bitten mit dem Wort rabbana, unser Herr. Drei Jahrzehnte lang lief es in jedem Ramadan zum Fastenbrechen. Das änderte sich 2009, als Schadscharian sich auf die Seite der Protestierenden der Grünen Bewegung stellte und den Sender aufforderte, seine Lieder nicht mehr zu spielen. Die Staatssender verbannten sein Werk, und gegen seinen Willen verschwand auch Rabbana aus dem Programm. Ein Fan in Teheran sagte dem Guardian, ein Ramadan ohne dieses Gebet sei wie Weihnachten ohne Weihnachtslieder, und Hassan Rohani kritisierte das Verbot in seinen Wahlkämpfen. 2017 wurde das Stück in Irans Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Schadscharian starb 2020, doch für viele Iraner klingt dieses Gebet bis heute nach dem Moment, in dem das Fasten endet.

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