Mario

Franco Luambo

Die Geschichte hinter dem Song

Franco umkreiste das Thema schon seit Jahren. Im Zaire Mobutus zeigte in den 1980er Jahren eine neue bürgerliche Schicht ihren Wohlstand, und Beziehungen, die auf Geld beruhten, wurden immer sichtbarer: ältere Männer mit jungen Frauen und zunehmend ältere Frauen, die junge, gebildete, aber arbeitslose Männer aushielten. In einem früheren Lied, Petit poussin, hatte Franco das Thema nur gestreift. Mit Mario, 1985 im Studio Mademba während einer Reise von TPOK Jazz nach Libreville aufgenommen, ging er es direkt an. Das Lied ist der Monolog einer Frau, die von ihrem jüngeren Liebhaber genug hat. Mario habe fünf Diplome, klagt sie, und arbeite trotzdem nicht, lebe von ihrem Geld, begehre ihren Mercedes, ihre Kleider und Möbel und werde eifersüchtig und gewalttätig. Francos gesprochene Passagen wechseln sich mit dem von Madilu System gesungenen Refrain ab, und die Stimme der Frau schwankt zwischen Schimpfen, Spott und Klage, während sie immer wieder sagt, dass sie müde ist. Doch die Satire trifft beide Seiten: Auch sie hat einst von der Großzügigkeit eines anderen Mannes gelebt und steckt das Geld nun in eine Beziehung, die ihren Haushalt zerstört. Das Publikum in Zaire erkannte den Typus sofort. Mario erhielt in Zaire Gold für mehr als 200.000 verkaufte Exemplare, und TPOK Jazz ließ Fortsetzungen folgen, darunter eine Antwort, in der Mario seine Sicht schildert. Der französische Journalist François Bensignor nannte es womöglich Francos größtes Meisterwerk, und Jeune Afrique zählte es zu den fünf Liedern, die den Kongo tanzen ließen. Coverversionen von Africando bis Fally Ipupa zeigen, dass der Gigolo mit den fünf Diplomen bis heute sein Publikum hat.

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