Borracho de Amor

José Manuel Calderón

Die Geschichte hinter dem Song

Während eines Großteils der Diktatur von Rafael Trujillo gab es Bachata kaum auf Schallplatte. Das Wort bezeichnete ein spontanes Fest auf dem Land, mit melancholischen, bittersüßen Liedern, gespielt von armen Musikern aus der Arbeiterschicht für ein Publikum wie sie selbst. Trujillo mochte diese Musik nicht, und die Mittel- und Oberschicht tat sie als wertlos ab, als Musik der Armut, der Kneipen und Bordelle. Sie überlebte trotzdem, abseits der Studios. Das änderte sich nach Trujillos Tod 1961. Die Beschränkungen lockerten sich, Menschen vom Land zogen nach Santo Domingo, und die Musikindustrie nahm deutlich mehr auf und sendete mehr, auch Bachata, sofern die Musiker bezahlen konnten. 1962 nahm José Manuel Calderón in den Studios von Radio Televisión Dominicana Borracho de amor und Condena auf, die als Single erschienen und im Radio liefen. Sie gelten als die ersten Bachata-Aufnahmen überhaupt. Calderón war ein ungewöhnlicher Bachatero: Er sang Bariton, setzte Streicher, Bläser und Klavier ein und ersetzte die Maracas durch eine Güira. Die Anerkennung ließ auf sich warten. 1967 zog Calderón nach New York, und als er fünf Jahre später zurückkehrte, war Bachata an den Rand gedrängt und lief landesweit nur noch bei Radio Guarachita. Enttäuscht ging er zurück nach New York, wo in der wachsenden dominikanischen Gemeinde in Washington Heights eine lebendige Bachata-Szene entstand. Heute gehört Bachata zu den beliebtesten Stilen der lateinamerikanischen Musik, und Borracho de amor markiert den Moment, in dem die Musik der Armen zum ersten Mal auf Vinyl kam, auch wenn ihr Pionier nur einen Bruchteil der Anerkennung erhielt.

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