Ermutigung

Wolf Biermann

Die Geschichte hinter dem Song

Wolf Biermann schrieb „Ermutigung“ für seinen Freund Peter Huchel. Huchel hatte die angesehene Literaturzeitschrift Sinn und Form seit ihrer Gründung 1949 geleitet, bis er 1962 zum Rücktritt gezwungen wurde. Danach lebte er neun Jahre lang in seinem Haus in Wilhelmshorst, von der Stasi überwacht und von fast allen abgeschnitten. Biermann selbst war seit 1965 mit Auftritts- und Publikationsverbot belegt, nach eigenen Worten ein staatlich anerkannter Staatsfeind. Später sagte er, er habe das Lied auch für sich selbst geschrieben, als er Gefahr lief, zu verhärten. Das Gedicht erschien 1968 in einem Band bei Klaus Wagenbach, der im selben Jahr auch die vertonte Fassung als Single herausbrachte. Seine Strophen bitten ein Gegenüber, sich von der harten Zeit nicht verhärten, verbittern, erschrecken oder verbrauchen zu lassen, denn genau das wollten die Herrschenden: dass man vorzeitig aufgibt. Die letzte Strophe wechselt vom Du zum Wir, ruft dazu auf, nicht länger zu schweigen, und endet mit dem Bild eines kommenden Frühlings. Ohne Brecht, sagte Biermann, hätte er es nicht schreiben können: Dessen Gedicht „Gegen Verführung“ lieferte Reimschema und Versmaß. Der Historiker Stefan Wolle schrieb, das Lied sei in der DDR fast zum Volkslied geworden, manche nannten es die heimliche Nationalhymne der DDR. Biermann zufolge war es das beliebteste Lied in den Gefängnissen der DDR, gesungen von Häftlingen, die oft nicht wussten, von wem es stammte. Im Westen sangen es junge Kirchentagsbesucher und Pazifisten. Es bleibt ein Lied über das Durchhalten.

Geschichten