Griechischer Wein
Udo JürgensDie Geschichte hinter dem Song
Udo Jürgens schrieb die Melodie 1972 nach einem Urlaub auf Rhodos, nach eigener Aussage in nur zwanzig Minuten, und er erzählte der Zeit, er habe sofort gewusst, dass es ein Knaller wird. Dann wartete er zwei Jahre auf den passenden Text. Die Autoren lieferten zunächst nur Urlaubsklischees. Erst Michael Kunze hatte die Idee, die alles änderte: das Lied nicht in Griechenland spielen zu lassen, sondern im Ruhrgebiet, in den Jahren der ersten griechischen Gastarbeiter.
Das Ergebnis, produziert von Ralph Siegel und 1974 veröffentlicht, ist eine kleine Szene in einem Wirtshaus an einem dunklen, kühlen Abend. Der Erzähler tritt ein und trifft auf Männer fern der Heimat, die fremde, südliche Musik hören. Sie laden ihn zum Wein ein, und dabei erfährt er von ihrem Heimweh, ihrer Sehnsucht nach grünen Hügeln, Meer und Wind, nach Frau und Kind, und von ihrem Gefühl, in dieser Stadt immer fremd zu bleiben. Für einen Schlager war das ein ungewöhnliches Thema, und es traf einen Nerv. Die Single stand 1975 in Deutschland und der Schweiz auf Platz eins, in Österreich auf Platz zwei, und brachte eine Goldene Schallplatte für 500.000 verkaufte Exemplare.
Jürgens nahm das Lied auch auf Französisch, Griechisch und Englisch auf. Zum Dank dafür, dass das Lied den Gastarbeitern eine Stimme gab, empfing der griechische Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis Jürgens und Kunze. 2020 wählte das Magazin The Gap es auf Platz sechs der 100 wichtigsten österreichischen Popsongs: eine in zwanzig Minuten geschriebene Melodie, die am Ende von Einsamkeit erzählt.
